Architektur

Schweden ist ein Land, in dem die Holzwirtschaft einen bedeutenden Platz einnimmt. Das fällt auch bei der Architektur und vor allem bei den verwendeten Baumaterialien auf. Insbesonders bis zum 20. Jahrhundert wurde fast ausschließlich Holz verbaut.


Kirchen:

Alle Kirchen in Lappland basieren auf meisterlichen, oft sichtbaren Holzkonstruktionen. Auch die Außenverkleidungen sowie der gesamte Innenausbau bestehen üblicherweise aus Holz. Die Farbgestaltung der Inneneinrichtungen ist hell, harmonisch und fast heimelig einladend. Die Kirchen sind mit vielen liebenswerten und kunsthandwerklich anspruchsvollen Feinheiten ausgestattet. Jede für sich ist ein Unikat. Auffallend sind auch die gepflegten Parks mit Birken, Nadelbäumen und Beerensträuchern, in welche die Kirchen „hineingestellt“ wurden.


Schwedenhäuser:

Die klassischen Schwedenhäuser bestehen im Skelett aus einem Holzrahmenbau. Dieser wird innen und außen mit natürlichen Materialien verkleidet. Dazwischen liegt die Isolierung (früher Sägemehl). Das Auffallendste ist die rote Farbgebung (Oxidrote Öl-pigment-Farbschlämme aus dem Bergbau) für die großflächige Holz-Außenverkleidung und die weiße Farbgebung für alle Ecken, Fensterverkleidungen und sonstigen „Einfassungen“. Die Dächer sind meist mit hell verzinktem Blech gedeckt. Heute sind diese Häuser sehr funktionell, gemütlich, mit Zentralheizung und allem, was in einen modernen Haushalt gehört, ausgestattet.


Kirchstädte (siehe Gammelstad bei Lulea):

Wer in Schweden Ausschau nach Sehenswertem hält, stößt immer wieder auf Begriffe wie Kyrkby (Kirchdorf), Kyrkstad (Kirchstadt), Lappstad („Lappenstadt“) und ähnliches.

Der Ausdruck Kyrkby, also Kirchdorf, war ursprünglich nichts anderes als ein Dorf, das sich um eine Kirche entwickelte und oft dem Namen des Ortes beigefügt wurde. Oder man nannte den Ort einer Region, in dem die Kirche für mehrere Dörfer gebaut wurde, Kyrkby, um zwischen einem gewöhnlichen By (Dorf) ohne Kirche und einem Kyrkby (Kirchdorf) eine Unterscheidung zu machen.

Dagegen war eine Kyrkstad (Kirchstadt) ein Ort mit einer Kirche, an dem zahlreiche Koten oder Stugor gebaut wurden, die ursprünglich nur der Übernachtung dienten. Teils hatten die Leute einen weiten Weg bis zur Kirche zurückzulegen, den man nicht innerhalb eines Tages gehen konnte. Diese sehr einfachen Behausungen wurden oft nur zwei- bis dreimal im Jahr benutzt und hatten keinen Komfort. Kyrkstäder findet man vor allem im nördlichsten Teil Schwedens. Viele sind entstanden, um die Samen zur Integration in die schwedische Gesellschaft, den Kirchbesuch und zum Bezahlen von Steuern zu zwingen.

Heute existieren nur noch wenige davon und sind überwiegend umgebaut. Einige der größten entwickeln sich zu touristischen Attraktionen.

Die Kyrkstäder für Samen werden oft als Lappstad bezeichnet, jene für Landwirte Bondstad und jene für den gehobenen Bürgerstand und die Kaufleute Borgarstad. Obwohl oft alle drei zu einer einzigen Kyrkstad zusammengewachsen waren, gab es eine deutliche Trennung zwischen diesen Schichten, was den Bau der Gebäude betraf, als auch die Einrichtung und die Zeit, die die Bewohner in der Kyrkstad verbrachten.

In Norrbotten liegen Gammelstad Arvidsjaur und Öjebyn, die von der Geschichte und ihrer Struktur her sehr unterschiedlich sind, wobei Gammelstad Arvidsjaur zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Die Mehrheit der Kyrkstäder entstanden zur Zeit der Kolonisation Lapplands und sind Zeugen der Begegnung von zwei Kulturen, die bis heute noch keinen wirklich gemeinsamen Weg gefunden haben.

 

Hofsiedlungen:

In Lappland gibt es noch klassische Hofsiedlungen. Dabei stehen die verschiedenen Objekte in einer zweckmäßigen Anordnung, aber doch in ordentlichem Abstand zueinander. Damit konnte ein Feuer nicht alles vernichten.

Zu einer kleineren Hofsiedlung gehörten das Wohnhaus, Gästehaus, Backhaus, Stall- und Wirtschaftsgebäude sowie ein oder mehrere Schuppen für Holz und Maschinen. Ursprünglich waren alle Gebäude als Blockgebäude ausgeführt.

Herrgards, die in großer Vielzahl in Mittel- und Südschweden vorhanden sind, basieren auf demselben System, allerdings in weit herrschaftlicheren und größeren Dimensionen.


Samensiedlungen:

Die Samen leb(t)en in sogenannten Koten. Koten werden als Wohnraum, Küchen, Aufenthaltsräume, Lagerstätten usw. verwendet.

Koten werden als konische, pyramiden- oder kuppelförmige Behausungen und in verschiedenster Bauart ausgeführt. Sie sind entweder mit Erdsoden („Torf-Kote“), mit Brettern oder zeltartig gedeckt. Nach der Konstruktionsart wird zwischen vier Grundtypen unterschieden: Die einfache konische Zelt-Kote, die traditionelle Bogenstangen-Kote mit runder oder ovaler Grundfläche sowie die Holz- und die Sparren-Kote mit rechteckiger Grundform.

Koten haben üblicherweise einen Durchmesser von bis zu fünf Metern und damit eine Grundfläche von bis zu 20 Quadratmetern. Der Innenraum dieser Koten ist nicht unterteilt. Allen Typen hatten eine offene Feuerstelle aus Steinen in der Mitte sowie ein Rauchloch oben in der Mitte. Im 19. Jahrhundert setzten sich mehr und mehr gemauerte oder eiserne Öfen durch. Der Boden bestand aus gestampfter Erde und wurde regelmäßig mit frischen Birkenreisern neu belegt. Darauf lagen Rentierfelle als Sitz- und Liegeunterlage. Als Möbel dienten Truhen. Ansonsten wurde der Hausrat an den Wänden und der Decke aufgehängt.